
Fishlabs
Hamburger Studio, 2004 von Michael Schade und Christian Lohr gegründet und seit 2013 Teil von Koch Media (heute Plaion, Embracer Group). Bekannt für Galaxy on Fire und Chorus.
Bei Fishlabs denke ich sofort an die Zeit, als Handyspiele noch auf Tasten-Handys liefen und Galaxy on Fire gezeigt hat, wie viel Weltraum-Action auf so ein kleines Display passt. Das Hamburger Studio gehört seit über 20 Jahren zu den bekanntesten Spieleentwicklern Deutschlands und hat sich vom Mobile-Spezialisten zum Konsolen- und Co-Development-Studio gewandelt.
Gründung in Hamburg und Galaxy on Fire
Gegründet wurde das Studio 2004 von Michael Schade und Christian Lohr in Hamburg, damals noch als Fishlabs Entertainment GmbH. Noch im selben Jahr sicherten sich die beiden eine erste Finanzierungsrunde, mit der sie die Entwicklung über mehrere Jahre stemmen konnten. In den ersten Jahren entstanden vor allem Spiele für Java- und Symbian-Handys, darunter Robot Alliance, Speed Spirit, Motoraver 3D, Star Wars: Imperial Ace und DEEP: Submarine Odyssey. Daneben baute das Team auch Werbespiele, etwa Waterslide Extreme für Barclaycard.
Der große Durchbruch kam mit dem Weltraum: 2005 erschien Galaxy on Fire, 2009 folgte Galaxy on Fire 2, das später auch auf iOS, Android, dem Mac und dem PC landete. Für ein Handyspiel war das damals ein echtes Brett. Die Reihe machte die Hamburger international bekannt und wurde mit Galaxy on Fire: Alliances (2013) und Galaxy on Fire 3: Manticore (2016) fortgesetzt. 2010 kündigte das Studio außerdem an, in den Markt für Online-Mehrspieler-Spiele auf dem Handy einsteigen zu wollen.
Insolvenz und Neustart unter Koch Media
2013 geriet das Studio in finanzielle Schwierigkeiten. Im Oktober wurden 25 Stellen gestrichen, anschließend ging das Unternehmen in ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. Im Dezember 2013 übernahm Koch Media das Team im Rahmen eines Asset-Deals: 52 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wechselten in die neue Sparte Deep Silver Fishlabs, die fortan als Mobile-Studio für das Label Deep Silver arbeitete. Die beiden Gründer verließen das Unternehmen und gründeten später Rockfish Games, das Studio hinter Everspace. Koch Media heißt heute Plaion und gehört zum Embracer-Konzern, zu dem etwa auch THQ Nordic und Warhorse Studios zählen. Inzwischen tritt das Studio wieder unter dem Namen Fishlabs auf.
Unter dem neuen Dach entstanden zunächst weiter Mobile-Spiele: Handy-Umsetzungen der Adventure-Reihe Secret Files, Galaxy on Fire 3: Manticore, das Zombie-Spin-off Dead Island: Survivors (2018) und mit Manticore: Galaxy on Fire 2018 auch eine Fassung für die Nintendo Switch. Dank der neuen finanziellen Sicherheit stiegen die Hamburger zudem ins Publishing ein.
Chorus und Co-Development
Mit Chorus erschien im Dezember 2021 das bislang größte eigene Projekt: ein Weltraum-Shooter mit der Pilotin Nara und ihrem Raumschiff Forsaken, der für PC, PlayStation 4 und 5, Xbox One und Xbox Series X|S sowie Stadia und Amazon Luna erschien. Man merkt dem Spiel an, wie viel Weltraum-Erfahrung seit Galaxy on Fire in dem Team steckt.
Daneben hat sich das Studio als Co-Development-Partner einen Namen gemacht. Für die Nintendo Switch setzte es Saints Row: The Third – The Full Package (2019) und Saints Row IV: Re-Elected (2020) um. Später folgten Arbeiten an Saints Row (2022), Goat Simulator 3 (2022), Dead Island 2 (2023), den Xbox-Versionen von Valheim (2023), Goat Simulator: Remastered (2024) und den Konsolenfassungen von Satisfactory (2025). Bei Dead Island 2 schließt sich ein kleiner Kreis, denn mit Dead Island: Survivors hatte das Team schon Jahre vorher einen Ableger der Reihe fürs Handy gebaut.
Schwierige Jahre seit 2023
Ganz ohne Rückschläge lief es in den letzten Jahren nicht. Dabei sah es zunächst gut aus: Für das eigene Third-Person-Actionspiel „Project Black“ gab es 5,5 Millionen Euro aus der Games-Förderung des Bundes, fertig werden sollte es bis August 2026. Anfang 2023 arbeiteten laut GamesWirtschaft rund 95 Menschen für das Studio. Im Zuge der Sparmaßnahmen bei Embracer wurde Project Black im September 2023 jedoch eingestellt, rund zwölf Stellen fielen weg. Danach schlug das Team einen neuen Red-Faction-Teil vor, nachdem Serienentwickler Volition geschlossen worden war. Auch dieses Projekt wurde laut Rock Paper Shotgun und Eurogamer im November 2023 gestoppt, rund 50 Beschäftigte mussten gehen.
Fishlabs heute: Hamburg, rund 75 Mitarbeiter und neuer Stellenabbau
2024 zählte das Studio laut GamesWirtschaft rund 70 Beschäftigte und gehörte damit weiter zu den größeren Entwicklern in Deutschland. Im Oktober 2026 kam dann die nächste schlechte Nachricht: Fishlabs baut erneut Stellen in Hamburg ab. Betroffen sind 17 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Entwicklung und Support, zuvor beschäftigte das Studio laut GamesWirtschaft rund 75 Menschen. Als Grund nennen die Hamburger veränderte Projektanforderungen und Kundenbedürfnisse, von einer Schließung ist keine Rede.
Ich hoffe ehrlich, dass Fishlabs die Kurve kriegt. Ein Studio, das seit über 20 Jahren aus Hamburg heraus Weltraumspiele baut und nebenbei für große Marken die Technik stemmt, würde der deutschen Spielelandschaft fehlen.
Offizielle Website des Studios: fishlabs.de
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